06.11.2020
Aktionstag "Suchtberatung – kommunal wertvoll"

Selcuk Caloglu hat erst kürzlich sein Amt übernommen: Grund genug für Katrin Hill, Leiterin des AWO-Fachbereichs Erwachsene, und Christa Seidel, Leiterin des AWO-Suchtberatungszentrums und vom Kontaktladen „JumpIn“, dem neuen Bremerhavener Stadtrat für Gesundheit zum Amtsantritt zu gratulieren und ihm einen ersten Besuch abzustatten. „Suchtberatung – kommunal wertvoll“ lautete das Motto des bundesweiten Aktionstages unter Schirmherrschaft der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Daniela Ludwig, um auf die Bedeutung der Arbeit mit Abhängigkeitserkrankten hinzuweisen. Christa Seidel stellte die Arbeit der AWO Bremerhaven in diesem Bereich vor, die von der niederschwelligen Beratung über ambulante Rehabilitation und Substitutionsprogramme bis zu psychosozialer Beratung und Präventionsarbeit reichen.

Im Mittelpunkt des Gesprächs stand der Wunsch nach einer stabilen Finanzierung. „Die MitarbeiterInnen in der Suchthilfe sehen sich mit immer komplexeren Herausforderungen konfrontiert. Neben einer Suchtmittelabhängigkeit weisen viele der Hilfesuchenden weitere seelische Beeinträchtigungen und/oder psychiatrisch diagnostizierte Erkrankungen auf. Im Umgang mit diesen differenzierten Krankheitsbildern benötigt es fachlich qualifiziertes und motiviertes Personal, die den Anforderungen der Rentenkassen ebenso gerecht werden wie den Bedürfnissen der Hilfesuchenden“, heißt es in einem Brief, den Katrin Hill und Christa Seidel dem Stadtrat übergaben. Zwar seien die Zuwendungen nach erheblichen Kürzungen in den Vorjahren für 2020 wieder gestiegen – das erreiche aber erst das Niveau von 2007 und sei nicht ausreichend, um künftige Herausforderungen zu meistern.

Die Kompetenzen in der Suchtberatungsstelle könnten nicht von anderen Fachkräften wie ÄrztInnen oder PsychotherapeutInnen übernommen werden. Die Erstellung von Sozialberichten, die Vermittlung in weiterführende Angebote und der niederschwellige Beratungszugang kennzeichnen dieses Alleinstellungsmerkmal. Die Angebote der Suchtberatung und -therapie zielen auf die Wiedereingliederung der Menschen in die Gesellschaft und auf den Arbeitsmarkt ab. Sie dienen der Abwehr von Kriminalität, gesundheitsschädlichem Verhalten und von Verelendung.

„Weiterhin tragen die Angebote der Suchtberatung maßgeblich zum volkswirtschaftlichen Nutzen bei“, betonte Christa Seidel. Eine Studie des Sozial Teams aus Görlitz habe ergeben, dass jeder Euro, der in die Suchtberatung investiert wird, ca. 28 Euro Kosten erspart. Auch die Aufgaben in der Suchthilfe unterliegen dem zeitlichen Wandel und müssten reflektiert, angepasst oder erst etabliert werden, sagt Katrin Hill: „Erst eine ausreichend stabile Finanzierung der Suchthilfe kann sich den künftigen Herausforderungen in diesem Handlungsfeld stellen.“

Gesundheitsstadtrat Selcuk Caloglu zeigte sich als aufmerksamer Zuhörer und bot Unterstützung an. Besonders das Präventionsangebot „FRed“ für erstmals im Zusammenhang mit Betäubungsmitteln auffällig gewordene Jugendliche stieß auf sein Interesse: „Die Präventionsarbeit ist überaus wichtig und es ist ein Fehler, den Konsum von Drogen zu bagatellisieren.“ Und für Anfang Dezember wurde gleich ein Besuchstermin in den AWO-Einrichtungen verabredet.


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